Unterwegs in Pune

Die Fortbewegung in Pune ist auf Grund des immensen Verkehrsaufkommen oft ein großes Problem. Noch vor einigen Jahrzehnten war Pune für seine Beschaulichkeit berühmt, die viele Pensionäre in die Stadt zog, um hier in dem relativ angenehmen Klima und ruhigen Atmosphäre den Lebensabend zu verbringen.

Seit der wirtschaftlichen Öffnung Indiens Anfang der Neunziger Jahre, die auch der internationalen Automobilindustrie Zugang zum Subkontinent verschaffte, ist es mit der Ruhe vorbei. Die Zahl der Fahrzeuge hat sich explosionsartig vermehrt, täglich gibt es hunderte neue Zulassungen. Trotz der vielen neuen Straßenerweiterungen, Stadtautobahnen und Überführungen kommt man mit der Entwicklung nicht wirklich mit. Staus, zäher Verkehr, zahlreiche Baustellen und ein undiszipliniertes Verkehrsverhalten aller Verkehrsteilnehmer (einschließlich Fußgänger, die trotz vorhandener Fußwege oft unbekümmert in Gruppen auf den Straßen wandeln) machen die Fortbewegung in Pune zu einer Herausforderung. Hinzu kommen noch die zahlreichen nicht-menschlichen Straßenbenutzer wie herrenlose Hunde, Kühe, Büffel, Affen, Pferde, Esel, Kamele, die oft überraschend auf der Fahrbahn auftauchen.

Die Stadt bräuchte dringend ein schienengebundenes öffentliches Verkehrssystem, um die Straßen zu entlassen, wie eine Untergrund- oder Straßenbahn. Seit Jahrzehnten wird darüber diskutiert, es wurden auch mit Unterstützung der Stadt Bremen Machbarkeitsstudien angefertigt, aber bislang fehlte es am politischen Willen, diese Pläne umzusetzen. Da die Situation auf den Straßen aber immer unerträglicher wird und inzwischen auch die lokalen Politiker mit ihren Autos im Verkehr festsitzen, ist zu erwarten, dass der schiere Leidensdruck bald zu positiven Entscheidungen führen wird.  Bis ein urbanes Schienennetz aber einsatzfähig ist, dürften noch Jahre vergehen. Solange wird man mit den vorhandenen Verkehrsmitteln Vorlieb nehmen müssen.

Ochsenkarren auch in der Stadt

Mit dem Bus

Es gibt ein gut ausgebautes öffentliches Bussystem. Wer Geld sparen will, kann für ein paar Cent durch Pune reisen. Allerdings muss man sich dabei auf unpünktliche Verbindungen sowie überfüllte und oft schrottreife Busse einstellen. Busse sind zwar billig aber zeitraubend und unbequem. Darum möglichst vermeiden!

Öffentlicher Bus

Mit der Riksha

In Pune gibt es eine riesige Flotte dreirädriger Motor-Rikshas, die an jeder Straßenecke zu finden sind. Rikshas sind allgegenwärtig im Straßenverkehr, leicht verfügbar und wendig genug, um sich überall durchzuschlängeln. Man kommt mit ihnen gut voran, ist allerdings durch die offene Bauweise der Witterung und besonders den Abgasen und dem Staub ausgesetzt. Rikshas bieten Platz für drei Personen, oft findet man sie aber mit einer großen Schar von Schulkindern besetzt, die sich zu acht oder zehnt in das kleine Gefährt drängeln.

Die Rikshas sind mit einem Taximeter ausgestattet und es gibt feststehende Tarife im Gegensatz zu vielen anderen indischen Städten. Manchmal sind die Meter allerdings frisiert oder es werden übertriebene Festpreise verlangt -  insbesonders bei Ausländern. Auch wenn der Taximeter zum Einsatz kommt, versucht man bei Fremden fast immer einen höheren Fahrpreis herauszuschlagen, da man bei ihnen eine Unkenntnis der genauen Tarifkalkulation voraussetzt. Der angezeigte Fahrpreis wird nämlich multipliziert. Da nicht alle Rikshafahrer eine Tarifkarte mit sich führen oder bereit sind, diese zu zeigen, sollte man am besten selber eine solche Karte besitzen, um lange Diskussionen zu vermeiden.

Außerdem ist es hilfreich, ausreichend Kleingeld bei sich tragen! Rikshafahrer haben aus Prinzip fast nie Wechselgeld parat und hoffen auf den Restbetrag, da sich nur wenige Fahrgäste am Fahrtende die Mühe machen, irgendwo zeitraubend Kleingeld einzutauschen.

Riksha

Mit dem „Radio Taxi“

Normale Autotaxis waren bis vor kurzem unbekannt in Pune. Man musste sich umständlich einen Wagen mit Fahrer (Tourist Car) mieten. Seit einiger Zeit gibt es jedoch einen gut funktionierenden Taxiruf. Man sollte allerdings eine Wartezeit von 30 bis 60 Minuten einplanen- also rechtzeitig bestellen:  Tel.:  +91 20 40100100    Tarife sind natürlich höher als bei Rikshas aber gemessen an westlichen Maßstäben immer noch sehr preisgünstig.

 

 Mit dem Auto

Mietwagen heißen in Indien „Tourist Cars“ und sind nur mit Chauffeur zu mieten. Das ist durchaus als Vorteil zu werten. Denn es ist als Ortsfremder nicht einfach, sich auf den schlecht ausgeschilderten Straßen zu orientieren und mit den chaotischen Verkehrverhältnissen zurecht zu kommen. Außerdem liegen die Kosten nicht höher wie für einen vergleichbaren Mietwagen in Deutschland. Tourist Cars kann man auch für eine Reihe von Tagen mieten, der Fahrer übernachtet dann meistens im Wagen.

Wer sich langfristig in Pune aufhält und sich an den indischen Verkehr gewöhnt hat, kann sich auch einen eigenen Wagen zulegen. Grundsätzlich liegen die Preise für die Neuanschaffung – etwa für einen VW Polo, der in Pune produziert wird – um etwa 30-40% unter den Modellpreisen in Deutschland. Außerdem sind die Benzinpreise nur ungefähr halb so hoch, der Liter kostet etwa 80 Cent (Dezember 2010). Die meisten Mittelklassewagenbesitzer in Indien haben einen festen Fahrer engagiert, dessen Monatslohn bei etwa 100-120 Euro liegt. Die wenigsten Wagenbesitzer setzen sich selber ans Steuer.

Wer seinen Wagen selber steuern will, sollte bereits Erfahrungen mit dem indischen Straßenverkehr gesammelt haben. Aber auch dann ist eine Autofahrt stets ein Abenteuer und man kann froh sein, wenn man ohne Kratzer am Wagen ans Ziel kommt. Überlandfahrten sollte man möglichst vermeiden, da hier durch überhöhte Geschwindigkeit und riskante Überholmanöver unverantwortlicher Verkehrsteilnehmer eine wirkliche Gefahr besteht. Die Unfallstatistik gibt alarmierende Zahlen. Im Stadtverkehr ist man als Autofahrer jedoch relativ sicher, da man selten Geschwindigkeiten über 50 km/h erreicht.

Dichter Verkehr

 

Mit dem Motorrad

Motorräder sind bei weitem das häufigste Verkehrsmittel in Pune. Auch Leute, die ein Auto besitzen, steigen oft auf ihren Motorroller, wenn sie schnell ans Ziel kommen wollen. Denn mit einem Zweirad ist man viel mobiler, kann sich überall durchschlängeln und Staus leichter entfliehen. Es besteht noch immer keine Helmpflicht in Pune, obwohl diese dringend angesagt wäre. Es vergeht wohl kein Tag in dieser Stadt, an dem keine Motorradfahrer zu Tode kommen. Von der Benutzung eines Motorrades – auch als Beifahrer- ist unbedingt abzuraten. Das Risiko, dem man sich aussetzt, ist enorm. Straßenschäden, überfüllte Straßen und  unverantwortliches Verhalten der Verkehrsteilnehmer führen leicht zu Stürzen. Mit dem Motoroller sind oft ganze Familien, selbst mit Hund, unterwegs. Fünf oder auch sechs Personen auf einem Roller sind keine Seltenheit.

Motorräder

Mit dem Fahrrad

Radfahren ist gesund – jedoch nicht in Pune. Es gibt so gut wie keine Radwege in Pune und man ist auf den Straßen mitten im dichten Verkehr unterwegs, den Abgasen und chaotischen Verkehrsverhältnissen – bei denen das Recht des Stärkeren gilt – ausgesetzt. Sehen Sie unbedingt von der Benutzung eines Fahrrades ab!

Kühe auf der Fahrbahn

 

Als Fußgänger

Durch ständige Straßenerweiterungen haben viele Straßen ihre Fußwege verloren. Hier gilt besondere Vorsicht! Aber auch, wo Fußwege vorhanden sind, sind diese oft mit vielen Hindernissen gepflastert – fehlende Befestigungen, offene Gullilöcher, Schutt und Abfall. Die Benutzung von Fußwegen verlangt äußerste Aufmerksamkeit und  man sollte den Blick stets auf dem Boden haben. Gucken Sie genau hin, wo Sie hintreten! Dabei sind die Hinterlassenschaften der vielen Straßenhunde noch das geringste Problem.

Wenn man aus Deutschland kommt, auch immer daran denken, dass in Indien wie in allen Commonwealth Staaten Linksverkehr herrscht. Das heißt, beim Überqueren der Straßen erst nach Rechts und dann nach Links schauen. Es sind schon Menschen hier zu Tode gekommen, weil Sie in die falsche Richtung geschaut haben. Grundsätzlich sollte man jedoch immer beide Richtungen im Auge haben, wenn man eine Straße überqueren will. Es ist  durchaus keine Seltenheit, dass Fahrzeuge auf der falschen Fahrbahn unterwegs sind.